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Die Arbeit beginnt

Nachdem der Gründungsakt nun erfolgreich vollzogen war, ging man unverzüglich an die Übungstätigkeit. Im Bewusstsein, dass man völlig ohne Vorbildung an die schwere Aufgabe heranging, suchte die Führung nach einer Feuerwehr, von der man die Durchführung einer "geregelten Steig- und Spritzen Übung sich veranschaulichen könne". In Viechtach bestand nun seit ca. einem Jahr ein "Feuerwehr-Corps". Anfang Juni 1865 fuhr man also mit 33 Mann mit zwei Fuhrwerken nach Viechtach ab, um "einer daselbst zu diesem Zwecke abgehaltenen Übung beizuwohnen".

Von diesem Zeitpunkt an übten in den Sommermonaten die eifrigen Feuerwehrler mit "regem Eifer" allwöchentlich 2-3 mal von abends 7 Uhr an. Der Eifer und die Begeisterung für die neue Aufgabe muss sehr groß gewesen sein, zumal die Mitglieder zusätzlich dem Turnen "oblagen". Im Herbst des Jahres 1865 war die Turnfeuerwehr soweit, sich in einer "Hauptübung" der Bevölkerung und deren Urteil zu stellen. Sämtliche Geräte wurden dazu verwendet. Diese Ausrüstung in einer kurzen Auflistung: 3 bereits vorhandene, alte und hölzerne Druckspritzen. 2 holmige, neu angeschaffte Papageienleitern. 2 doppelholmige Papageienleitern, die ebenfalls neu waren. Einige große, "von plumper, altertümlicher Bauart sich auszeichnende Anstelleitern".

Diese Übung, "welche aber auch schon ziemliche Befriedigung über die Leistungsfähigkeit des jungen Korps unter den Zuschauern hervorrief", war wohl das erste Mal, dass eine Regener Feuerwehr an die Öffentlichkeit trat. Wie oft mag sich das in den vergangenen Jahren bei Übung oder Einsatz wiederholt haben? Der Magistrat unterstützte tatkräftig und mit den damals zur Verfügung stehenden bescheidenen Mitteln diese "junge Truppe". Er stellte die notwendigen Mittel zur Verfügung. Zusätzlich wurde auf der sog. Färberinsel (heutiger Standort der Kreissparkasse) ein zweistöckiges Steigerhaus, 45 Fuß hoch, mit 60 Fuß hohen "Steigbäumen" erbaut. Auch eine Turnanstalt mit den nötigen Geräten wurde dort erstellt. Am 2. Februar 1866 fand dann die erste, ordentliche Generalversammlung statt, bei der schon der erste Führungswechsel notwendig wurde. Kommandant Radlinger gab seinen Rücktritt bekannt, da er versetzt werde. Bei den daraufhin abgehaltenen Neuwahlen wurde der kgl. Bauamtmann Michl als neuer Hauptmann bestimmt. Ein gutes Jahr später musste die Wehr ihre "Feuertaufe" bestehen.

Der uns erhaltene Bericht über dieses Brandunglück gibt einen interessanten und teilweise amüsanten Einblick über Einsatzbedingungen und Einsatzablauf in jener Zeit und wird daher hier in einer längeren Passage wörtlich wiedergegeben.

 

"Am 24. Juni 1867 (am Sonnwendtage) vormittags 9 3/4 Uhr stieg aus dem Hintergebäude des Bierbrauers Schönauer am Kirchplatz (Brechgarten) plötzlich eine turmhohe Feuer - Rauchsäule empor und verbreitete sich bei der herrschenden Trockenheit mit rapider Schnelligkeit aufwärts über die Apotheke hin und abwärts gleichzeitig zu Geschirrhändler Kopp, sodass binnen weniger Minuten die züngelnden Flammen immer mehr sich ausbreiteten und große Verheerung anzurichten drohten. Sofort ertönten die Alarmsignale der Feuerwehr und in einigen Minuten war auch die größte Anzahl der Mannschaft hilfsbereit am Feuerhause versammelt.

Die Maschinen und Geräte wurden sofort zum Brandplatze gebracht und zweckentsprechend aufgestellt und in Tätigkeit gesetzt. Mit großer Ausdauer und Mut wurde gearbeitet und dem Feuer Einhalt getan, sodass nur (!) sieben der zusammenhängenden Gebäude eingeäschert wurden und zwar: Kopp, Eisenrichter, Schönauer, Apotheke, Gschaider, Gnödl und Zellner. Sofort nach Ausbruch des Brandes sandte Fabrikbesitzer Josef Eder sein Fuhrwerk nach Viechtach ab, um die einzige bestehende nächstgelegene Feuerwehr herbeizuholen. Bemerkenswert rasch traf die Feuerwehr dann auch mit einer Maschine und 53 Mann am Brandplatze ein, wo diese mit heller Freude von der Regener Wehr sowie der sämtlichen Einwohnerschaft begrüßt wurde.

Diese Hilfe langte schon 5 Stunden nach Ausbruch des Brandes hier an, löste unsere Mannschaft in der vollen Bewältigung des Brandes und der Ablöschungsarbeiten Abwechslungsweise ab, sodass ein Weiterumsichgreifen nicht mehr zu befürchten war. Da in einem Zeitraum von einer halben Stunde einzelne Dächer verschiedener Richtung und Entfernung, insgesamt an 30 Stellen, darunter auch der Kirchturm, dessen obere Kuppel hölzerne Dachung hatte, zu brennen anfingen musste die geringe Mannschaft daher vielfach verteilt werden. Die Mannschaft war zur vollständigen Löschung des Brandes die ganze folgende Nacht und den ganzen anderen Tag immer noch tätig. Die Brandwachen wurden mehrere Nächte hindurch fortgesetzt. Nach diesem Brande, am folgenden Tag, dem 25. Juni als er die Mannschaft versammelt hatte, teilte Herr Hauptmann Michl mit, dass er seine Stelle niederlege, weil seine gegebenen Befehle und Anordnungen, besonders von den am Lebzelter Huber'schen Hausdache postierten Steigern
nicht befolgt worden sind. Aus Anlass des Rücktritts wurden nun sofort die Mitglieder zu einer Generalversammlung einberufen, bei welcher einstimmig Herr Johann Hauf, Schmiedemeister, zum Kommandanten gewählt wurde.

In der Nacht vom 27. bis 28. Juni 11 3/4 Uhr brach, nachdem unmittelbar die Wachen ihre Patrouillengänge in und um die Brandstätte gemacht hatten, plötzlich in den Hintergebäuden des Schuhmachers Müller abermals Feuer aus, welches die Gebäude des Meßnerkeller, Müller, Hermann und Mühlbauer einäscherte. Auf sofortige Alarmierung war alsbald wieder die ganze Mannschaft, vorab die auf dem Rathaus liegende Wache, versammelt und trat sogleich in Tätigkeit, sodass der neuerliche Brand beschränkt werden konnte. Erst jetzt erkannte man allgemein (auch die bisher heftigsten Gegner und Spötter), dass nur eine feste und einheitliche Organisation und eine gutgeschulte, tüchtige Feuerwehr Brandunglücke und ihre Folgen auf das geringste Maß zurückzuführen vermag. Im zweiten Jahr ihres Bestehens hatte die junge Feuerwehr also schon alle Höhen und Tiefen einer Organisation durchgemacht, die bis in die heutige Zeit immer wieder auf diese zukommen und deren Überwindung nur durch das Bewusstsein, einer guten Sache zu dienen, möglich ist. Nach den Jahren ist trotz manchmal widriger Umstände die Hoffnung berechtigt, dass auch in Zukunft der Bestand der Einheit gewährleistet ist.